Offener Brief in Zeiten des Ukrainie Krieges

Kommentare (0)

                                                                                                                                                             Offenburg, 15.03.2022

Liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde,

seit 20 Tagen führt Russland einen erbarmungslosen, brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die schrecklichen Bilder sind Ihnen allen bekannt. Kein Tag vergeht ohne die schlimmsten Kriegsverbrechen.

Die Sportwelt hat daraufhin mit weitreichenden Sanktionen reagiert. Das Internationale Olympische Komitee ruft alle Organisatoren von internationalen Turnieren dazu auf, russische und belarussische Mannschaften auszuschließen (https://olympics.com/ioc/news/ioc-eb-recommends-no-participation-of-russian-and-belarusian-athletes-and-officials). Das IOC macht dabei das Dilemma deutlich. Sicher sind unter den vielen russischen Sportlern Menschen, die den Krieg ablehnen. Aber während Sportler aus Russland und Weißrussland weiterhin an Sportveranstaltungen teilnehmen könnten, sind viele Sportler aus der Ukraine aufgrund des Angriffs auf ihr Land daran gehindert. Sie sind gezwungen, ihr Land mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Deshalb empfiehlt das IOC allen Organisatoren von internationalen Sportveranstaltungen, Mannschaften und Sportler aus Russland und Belarus auszuschließen. Sportarten wie Fußball, Handball, Basketball, die Leichtathletik oder Eishockey haben, wie selbstverständlich, diese Empfehlung umgesetzt.

Warum schreiben wir Ihnen das? Ihr Schachverein spielt wie 118 weitere deutsche Vereine (von insgesamt 450 Mannschaften) in der Quarantäne-Liga auf Lichess. Der Organisator, Jens Hirneise, Chefredakteur der Zeitschrift Rochade Europa, hat sich 2020 mit der Organisation dieses internationalen Mannschaftsturniers in Zeiten von Corona große Verdienste um den Schachsport erworben. Auf die Bitte, sich dem Aufruf des IOC anzuschließen, und russische und belarussische Mannschaften von der Liga auszuschließen, reagiert er nicht. Er verweist lediglich auf das von Lichess veröffentlichte Memorandum, in dem der Krieg verurteilt wird. Dies ist in der Welt des Schachs kein Einzelfall. Auch unser Weltverband, die FIDE, verschließt vor den dramatischen Ereignissen mehr oder weniger die Augen. In Berlin wird am 21. März der Schach Grand Prix mit voraussichtlich 5 russischen Großmeistern starten. Was unsere nationale Vertretung, der DSB, hierzu verlautbaren lässt, ist nur noch peinlich (s.a. https://perlenvombodensee.de/2022/03/12/ein-bisschen-solidarisch/)!

Wir, der Vorstand der Schachvereinigung Offenburg, haben diese Situation kontrovers diskutiert. Wir sind zu der Auffassung gelangt, dass in einer derartig schlimmen Situation die Wiedergabe von Selbstverständlichkeiten, wie in dem Memorandum von Lichess, nicht ausreicht. Deshalb schließen wir uns vollumfänglich der Forderung des IOC an. Aus Protest gegen die Haltung der Organisatoren der Quarantäne-Liga haben wir unsere Mannschaft am Montag, den 14.3.22, aus der Quarantäne-Liga zurückgezogen. Diese Entscheidung ist für viele unserer Mitglieder ein Verlust. Wir haben uns gerne jeden Donnerstag- und Sonntagabend mit immer wieder neuen Mannschaften gemessen. Für die meisten unserer Mitglieder war dies die einzige Möglichkeit, einmal gegen einen GM oder IM zu spielen. Aber, es ist nur eine winzig kleine Entbehrung gegenüber dem Leid und den Qualen, die alle Ukrainer seit 20 Tagen ertragen müssen!

Wir fordern Sie hiermit auf, unserem Beispiel zu folgen, ein Zeichen gegen den Krieg zu setzen und aktive Solidarität mit der Ukraine zu üben. Wir können damit auch Druck auf unseren nationalen Verband ausüben. Es kann nicht sein, dass Schach den Anspruch erhebt, Sport zu sein, und dann als einziger großer Sportverband dem schlimmsten Ereignis seit dem zweiten Weltkrieg tatenlos zuschaut. DANKE für Ihre Unterstützung!

 

Für den Vorstand der Schachvereinigung Offenburg

Hansjörg Drewello

Helmut Ruf

Uwe Rauch

Harald Mayer
 

 


[dre]

Kommentare:


Impressum    Kontakt